Blog des Heinrich-Braun-Klinikums
Kuscheln für die Gesundheit und Unterstützung im Familienalltag
22.05.2026Mitunter gibt es Neugeborene am HBK, die aufgrund ihrer familiären Situation keinen leichten Start ins Leben haben und zunächst ohne feste Bezugsperson auskommen müssen. Für diese besonderen Situationen bietet der Verein Lebenshaus ehrenamtliche sogenannte Kuschelpaten an, die die kleinsten Patienten im Klinikalltag begleiten.
„Ich wollte eigentlich schon immer ein Ehrenamt übernehmen“, sagt Silke Hansch, eine von drei ehrenamtlichen Kuschelpatinnen am HBK Zwickau. Seit 2020 engagiert sie sich im Rahmen des Projekts in Kooperation mit dem Lebenshaus e. V. Persönlich sei die Entscheidung für sie naheliegend gewesen: „Ich habe drei gesunde Söhne und bin sehr dankbar dafür. Ich möchte etwas zurückgeben – vor allem an Kinder, die keinen einfachen Start ins Leben haben.“
Der Einsatz erfolgt bedarfsorientiert: Sobald ein Baby ohne kontinuierliche familiäre Betreuung auf der Station liegt, wird eine Anfrage an die Ehrenamtlichen gestellt. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich – etwa akute Erkrankungen der Eltern, soziale Schwierigkeiten oder ungeklärte Betreuungssituationen. Die Patinnen entscheiden selbst, ob ein Einsatz möglich ist. Die Abstimmung im Anschluss erfolgt mit der neonatologischen Station am HBK, um die Besuchszeiten zu vereinbaren. Ein Besuch dauert in der Regel zwei bis drei Stunden.
Vor Ort wird eng mit dem Pflegepersonal zusammengearbeitet. Je nach Situation wird abgestimmt, ob das Kind aus dem Wärmebett oder Inkubator genommen werden darf. Die Gestaltung der Zeit ist individuell: Ruhiges Sprechen, Vorsingen, Vorlesen oder – wenn möglich – das Halten des Kindes. „Es ist eine zutiefst erfüllende Aufgabe. Man empfindet es als sinnstiftend, diese Zeit mit den Kindern zu verbringen“, so die Kuschelpatin Silke Hansch. Besonders in Erinnerung bleiben ihr dabei ebenso die positiven Entwicklungen: „Es ist schön zu sehen, wenn für ein Baby eine Pflegefamilie gefunden wird und man später manchmal zu den Pflegeeltern weiterhin Kontakt hat und erfährt, wie es dem Kind geht.“
Vom Konzept der Kuschelpaten ist ebenfalls unsere Leitende Chefärztin des Kinderzentrums Frau Dr. med. Conny Huster überzeugt: „Gerade in der Neonatologie sehen wir, dass medizinische Versorgung allein nicht alle Bedürfnisse eines Neugeborenen abdeckt. Frühkindliche Bindung und verlässliche Zuwendung sind insbesondere in belasteten Situationen ein wichtiger ergänzender Bestandteil der Entwicklung. Ehrenamtliche Angebote können hier eine wichtige ergänzende Rolle im klinischen Alltag übernehmen.“
„Der Bedarf für Kuschelpaten ist mit den drei Ehrenamtlichen gut gedeckt“, berichtet Silvia Groß, Geschäftsführerin des Lebenshaus e.V. „Dahingegen werden immer wieder neue Paten für Familien gesucht, wie z.B. auch in Zwickau.“ Doch was versteht man unter solch einer Patenschaft?
Familiengesundheitspaten im Landkreis Zwickau – Unterstützung im Alltag gesucht
Über den klinischen Bereich hinaus setzt das Projekt der Familiengesundheitspaten im Landkreis Zwickau noch breiter an. Es gibt viele Familien, die sich Unterstützung im Alltag wünschen – darunter z.B. Alleinerziehende, junge Eltern und Familien mit wenig sozialem Netzwerk. Die Begleitung kann dabei von der Geburt bis hin zur Volljährigkeit erfolgen.
Ziel des Projektes ist es, Kinder in ihrer gesundheitlichen und sozialen Entwicklung zu stärken, indem ihnen eine verlässliche Bezugsperson zur Seite gestellt wird. Die ehrenamtlichen Paten begleiten Familien im Alltag, schenken Kindern Zeit sowie Aufmerksamkeit und schaffen durch regelmäßige Kontakte Entlastung und Stabilität.
Die Treffen finden nach Absprache beispielsweise alle zwei Wochen statt und werden individuell gestaltet – etwa durch Spielplatzbesuche, Ausflüge, Basteln, Vorlesen, Gespräche mit den Eltern oder Hausaufgabenhilfe. „Man bringt ein, was man selbst geben kann – und bekommt von der Familie oft sehr viel zurück“, betont Silvia Groß.
Voraussetzungen für das Ehrenamt sind unter anderem ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis sowie Offenheit, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, sich auf unterschiedliche Lebensrealitäten einzulassen.
Zur Vorbereitung bietet der Lebenshaus e. V. einen Patenkurs mit drei Abendveranstaltungen an, in dem unter anderem die Rolle als Paten, Kindeswohl und Kommunikation thematisiert werden. Ergänzend gibt es weitere Schulungs- und Austauschformate.
Der Verein steht in regelmäßigem Kontakt zu den Ehrenamtlichen und fungiert als unterstützende Schnittstelle zwischen Familien und Paten. Wer sich für das Ehrenamt interessiert, kann sich unverbindlich informieren und ein persönliches Gespräch führen.
Sie haben Interesse? Dann nehmen Sie gern Kontakt auf.
Lebenshaus e. V.
Telefon: 01590 – 6442958
E-Mail: paten@lebenshaus.org