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Prostatakrebs mit Abstand schonender behandeln

16.03.2021

Kleiner Abstand, große Wirkung: Wenn ein Prostatakarzinom mittels Strahlentherapie behandelt wird, können Nebenwirkungen im rektalen Bereich auftreten, die auch nach Therapieabschluss die Lebensqualität beeinträchtigen können. Durch die Injektion des sogenannten SpaceOAR Hydrogels zwischen Prostata und Darmvorderwand werden die beiden Organe so weit voneinander distanziert, dass die behandlungsbedürftigen Nebenwirkungen im Darmbereich deutlich reduziert werden können.

Mit jährlich rund 60.000 Neuerkrankungen ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart bei Männern. Statistisch gesehen entwickelt jeder 8. Mann im Laufe seines Lebens ein Prostatakarzinom. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko einer Erkrankung deutlich. Die gute Nachricht: Die relative Überlebensrate nach 10 Jahren liegt bei 88 %, d. h., die Lebenserwartung entspricht nahezu der von gesunden Männern gleichen Alters. Entscheidend für einen positiven Verlauf und eine schonende Therapie ist eine frühzeitige Diagnose. Denn je nach Größe, Lage und Fortschritt sind mehrere Behandlungsoptionen denkbar. Neben der radikalen Operation der Prostata stellt die radikale Strahlentherapie eine organerhaltende Behandlungsalternative dar.

Dr. med. Alexander Boicev, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie im HBK, behandelt mit seinem Team jährlich mehr als 100 Patienten mit Prostatakarzinom: „Meist wird der Krebs im Rahmen der Vorsorge entdeckt, aber auch Unregelmäßigkeiten beim Wasserlassen oder Potenzstörungen führen zur Diagnose. Mit einer Strahlentherapie erhalten die Patienten eine nichtinvasive, gut verträgliche und ambulant durchführbare Behandlung. Nach knapp zwei Monaten ist die Therapieserie abgeschlossen“, erläutert Dr. med. Boicev. Doch auch bei dieser sehr gezielten Behandlung ist eine Mitbestrahlung der Nachbarorgane unvermeidlich, insbesondere des Enddarms, der nur wenige Millimeter hinter der Prostata liegt. Nebenwirkungen wie akute und chronische Entzündungen der Darmschleimhaut oder häufiger Stuhldrang können die Folge sein. „Um Strahlenschäden zu vermeiden, injizieren wir den Patienten ein Hydrogel, welches ein kleines Kissen bildet und dadurch die Enddarmwand und Prostata etwa 10 mm voneinander distanziert. Dies reicht aus, um die Strahlendosis, die den Enddarm erreicht, um 66 % und damit die behandlungsbedürftigen Nebenwirkungen um 77 % zu verringern.“ Nach Abschluss der Therapie wird das Gel übrigens einfach vom Körper resorbiert, ein weiterer Eingriff ist nicht erforderlich. Rund 230 Patienten hat Dr. med. Boicev seit Beginn des Hydrogel-Einsatzes im Jahre 2014 vor Folgeschäden geschützt – ein Mehrwert auch auf lange Sicht. Denn da die Lebenserwartung nach einer überstandenen Therapie sehr hoch ist, ist die langfristige Lebensqualität ein ebenso wichtiger Aspekt wie die Wirksamkeit der Behandlung selbst. Auch Andreas Weiss (69) hat sich nach ärztlicher Beratung und eigener Recherche gegen eine Radikal-OP und für die Strahlentherapie entschieden. „Mir wurde das Hydrogel gegen mögliche Nebenwirkungen empfohlen und ich dachte mir, das kann ja nicht schaden, und habe es gemacht. Bis auf ein minimales Druckgefühl anfangs, leichte Müdigkeit nach den Anwendungen sowie einige Tage ein wenig Durchfall hatte ich keine Nebenwirkungen bezüglich der Strahlentherapie. Im November 2018 die Diagnose, im Januar bereits die erste Voruntersuchung, im April 2019 war die Behandlung abgeschlossen. Nun bin ich zwar noch unter Beobachtung, aber beschwerdefrei und ich bin sehr zufrieden mit Behandlung, Verlauf und Ergebnis.“

Abschließend hat Dr. Boicev noch einen Rat an alle Männer über 45: „Im Rahmen der Vorsorge sollte eine Tumormarkerbestimmung (PSA-Wert) in Erwägung gezogen werden. Im Fall einer Krebsdiagnose empfehlen wir die Vorstellung des Patienten beim Urologen und beim Strahlentherapeuten, um interdisziplinär eine fundierte Behandlungsentscheidung treffen zu können.“


Ansprechpartner

Kliniksekretariat, Telefon: 0375 51-2802