HBK-Patiententag informierte rund um das künstliche Kniegelenk

30.04.2019

Rund 40 Gäste verfolgten aufmerksam die Impulsvorträge zum Patiententag in Kirchberg. Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie hatte am Mittwoch, dem 24. April 2019 eingeladen, um Besuchern die gesamte Behandlungskette beim Kniegelenkersatz vorstellten. Am Ende der Veranstaltung konnte sogar ein OP-Saal besichtigt werden.

Dr. med. Lutz Arnold, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, ...
Thomas Kehrer, Assistenzarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, ...
Dr. med. Uwe Willmann, Chefarzt des Fachbereiches Orthopädie der ...
Alle vier Referenten stehen in einer Diskussionsrunde den Fragen der Besucher ...
Sandro Müller, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, ...
Chefarzt Dr. med. Lutz Arnold führt die Besucher durch einen der Kirchberger ...
Die Referenten rund um Dr. med. Lutz Arnold, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, sowie Aussteller von Sanitätshäusern und einem Endoprothesenhersteller standen den Besuchern bereits vor dem offiziellen Beginn für individuelle Gespräche zur Verfügung. „Mit dem heutigen Patiententag wollen wir Ihnen die gesamte Behandlungskette bei einer Knie-OP näherbringen. Dazu gehen wir in unseren Vorträgen ausführlich auf die Themen Narkose, Operation und Nachsorge ein“ – so eröffnete der Chefarzt pünktlich um 16.30 Uhr die Veranstaltung.

Im ersten Impulsvortrag „Gut geschlafen“ ging Sandro Müller, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, auf die verschiedenen Narkoseverfahren bei einer Knieoperation ein. Neben der Vollnarkose stellte der Anästhesist die Vorteile der Spinalanästhesie vor. Bei dieser Form der Narkose wird der Patient am unteren Teil der Wirbelsäule punktiert und darüber das Narkosemittel injiziert. „Viele Patienten haben Angst, dass man dabei das Rückenmark verletzt. Doch dies ist nicht möglich, da der Einstich mehrere Zentimeter darunter erfolgt“, so der Oberarzt. „Der große Vorteil dieses Narkoseverfahrens ist, dass man keine künstliche Beatmung wie bei einer Vollnarkose benötigt, da nur der untere Körperteil betäubt wird. Die Atmung des Patienten funktioniert normal, da er bei der Operation bei vollem Bewusstsein ist. Während des Eingriffs, welcher rund 70 Minuten dauert, hört der Patient Musik und bekommt nicht viel von der OP mit. Zudem wirkt die schmerzlindernde Wirkung einer Spinalanästhesie noch nach der Operation und Beschwerden über Übelkeit sind deutlich seltener. In Kombination mit einer Regionalanästhesie kann eine Schmerzfreiheit von bis zu 24 Stunden erzielt werden“, hält der erfahrene Mediziner fest. Die Wahl der Narkose ist immer individuell mit dem Patienten abzuwägen. Nicht jede Narkose passt zum Patienten. Neben den individuellen Krankheitsbildern werden auch persönliche Wünsche berücksichtigt.

Anschließend referierte Thomas Kehrer, Assistenzarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, in seinem Vortrag „Gut operiert“ sehr anschaulich über die einzelnen Schritte während der Operation. Vorab erläuterte der Assistenzarzt den Aufbau des Kniegelenkes, dessen Funktionalität sowie mögliche Fehlstellungen und Schmerzursachen. Danach ging er auf die Operationsvorbereitung, die Entnahme des kaputten Gelenkteils und den Einsatz des künstlichen Gelenkes ein. „Der Kniegelenkersatz ist eine der umfänglichsten Operationen im orthopädischen Bereich, da es sich um das größte Gelenk im menschlichen Körper und zugleich hochkomplexes mechanisches Konstrukt handelt“, so Kehrer. Breits nach dem Einsatz des künstlichen Gelenkes wird es während der Operation auf Funktionalität getestet. Dabei kommt es darauf an, dass sich das Gelenk strecken und beugen lässt. Erst wenn dies möglich ist, wird begonnen, die Wunde zu verschließen. Abschließend stellte der Mediziner die Behandlung nach der Operation auf der Station vor. Bereits am ersten Tag nach der OP wird begonnen, den Patienten im Bett zu mobilisieren. In den folgenden Tagen werden unter Aufsicht eines Physiotherapeuten die sogenannten „Gangschulen“ durchgeführt. Dabei wird der Patient an das Laufen mit dem neuen Gelenk gewöhnt.

Um den Abschluss der Behandlungskette zu verdeutlichen, referierte im letzten Vortrag Dr. med. Uwe Willmann, Chefarzt des Fachbereiches Orthopädie der Paracelsus-Klinik Am Schillergarten Bad Elster, über die Anschlussheilbehandlung in einer Rehaklinik. Der Mediziner stellte im Vortrag „Gut weiterbehandelt“ die Weiterbehandlung nach dem Krankenhausaufenthalt vor und erläuterte Maßnahmen, mit denen die Funktionalität des neuen Kniegelenkes wiedererlangt werden kann. Der Orthopäde ging dabei auf die individuellen Behandlungskonzepte in der Rehabilitationseinrichtung ein. „Ein Gelenk kann noch so gut operiert sein. Wenn der Patient nicht richtig an das Implantat herangeführt wird, sind Folgeschäden unvermeidbar. Um den Patienten einen vollumfänglichen und individuellen Therapieplan zu ermöglichen, stehen wir im engen Kontakt mit der operierenden Klinik. So ist bereits bei Aufnahme des Patienten gewährleistet, dass wir die Krankengeschichte sowie mögliche Komplikationen kennen“, hält der Chefarzt fest.

In der abschließenden Diskussionsrunde konnten die Besucher Fragen stellen und im Vier-Augen-Gespräch persönliche Anliegen besprechen. Dabei gab Chefarzt Dr. med. Lutz Arnold noch einen wichtigen Tipp zur Prävention mit auf den Weg: „Wenn Sie Abnutzungen des Kniegelenkes vermeiden wollen, achten Sie auf Ihr Körpergewicht. Bei jedem Schritt lastet das sechsfache Eigengewicht auf dem Gelenk. Jedes Kilo Übergewicht belastet somit das Knie immens. So haben Menschen mit selbst leichtem Übergewicht von zwei Kilogramm nach einem Kilometer Laufweg 12 Tonnen mehr Belastung auf das Kniegelenk ausgeübt.“ Zum Schluss führten die Mediziner interessierte Besucher in den OP-Saal. Dabei erläuterten Chefarzt Dr. Arnold und Oberarzt Dr. Müller vor Ort die theoretischen Aspekte aus den Vorträgen. Der Anästhesist erläuterte mit seinem Arbeitswerkzeug, wie die Nervenbahnen zum Knie mittels Spritzen betäubt werden, um die langanhaltende Schmerzlinderung nach der Operation zu gewährleisten. Im Nebenraum stellte Chefarzt Arnold die verschiedenen Operationsbestecke und weitere notwendigen Gerätschaften vor. Ganz nach dem Motto: Medizin zum Anfassen.


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