MDR im Gespräch mit Chefarzt Privatdozent Dr. med. habil. Sigusch zum Thema „Stent vs. Bypass“

03.04.2019

Für das Gesundheitsmagazin des Mitteldeutschen Rundfunks „Hauptsache Gesund“ war am 25. März ein Kamerateam zu Gast am Heinrich-Braun-Klinikum am Standort Zwickau. Im Interview mit Privatdozent Dr. med. habil. Sigusch, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, wurde die Patientengeschichte um Jens Marx näher beleuchtet, bei der die Frage „Stent oder Bypass?“ eine zentrale Rolle spielte.

Chefarzt Privatdozent Dr. med. habil. Sigusch (rechts) im Interview mit dem MDR
Das Kamera-Team des MDR begleitete auch eine Gesprächssituation mit dem ...
Verengungen von Herzkranzgefäßen können zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen. Damit der Blutkreislauf wieder störungsfrei funktionieren kann, müssen die verschlossenen Gefäße geöffnet werden. Dies kann mit der Hilfe von Stents geschehen oder mittels Bypass. In welchem Fall welches Verfahren zur Anwendung kommt, hängt von verschiedenen Konstellationen ab. Chefarzt Privatdozent Dr. med. habil. Sigusch erklärt dazu: „Bei der Wahl der Behandlungsmethode muss jeder Patient individuell betrachtet werden. Es muss berücksichtigt werden, wie viele Gefäße in welcher Komplexität betroffen sind, in welchem Gesundheitszustand sich der Patient befindet und welche Begleiterkrankungen es gibt.“ Stents, kleine Röhrchen aus Drahtgeflecht, werden minimalinvasiv über einen Einstich in der Leiste oder am Handgelenk durch eine dünne Sonde an die Engstelle des Gefäßes geführt und geweitet. Ein Bypass hingegen wird durch eine Operation eingesetzt, wodurch verengte Blutgefäße überbrückt werden. „Handelt es sich um einen jungen, gesunden Patienten mit wenigen Begleiterkrankungen und dadurch geringerem Risiko, ist eine Bypass-Operation die erste Wahl. Bei Patienten im höheren Lebensalter kann aufgrund von zahlreichen Nebenerkrankungen und einem zu hohen Risiko bei einem operativen Eingriff die Stent-Methode bevorzugt werden“, erläutert der erfahrene Kardiologe. Die Jenaer Herzchirurgen haben gemeinsam mit den Kardiologen der Klinik für Innere Medizin I am Heinrich-Braun-Klinikum an der SYNTAX III Studie teilgenommen. In der bereits publizierten Studie wurde der Stellenwert von CT-Koronarangiografie (mittels Computertomografie) und konventioneller Angiografie (im Herzkatheterlabor) für die Therapieentscheidung untersucht.

Die Patientengeschichte um Jens Marx
Der 53-jährige Glauchauer klagte bei Belastungen immer wieder über Schmerzen im Rücken und Brustbereich. Langezeit sind Mediziner nur von einem Rückenleiden ausgegangen und haben sich bei der Behandlung auf die Wirbelsäule konzentriert. Jedoch ohne Verbesserung. Auch nach mehrmaligen Vorstellungen bei Kardiologen wurden keine Auffälligkeiten gefunden, die Schmerzen blieben jedoch bestehen. Der eigentliche Auslöser wurde erst nach 5 Jahren festgestellt, im vergangenen November, nachdem ihn ein Kardiologe zur weiteren Abklärung ins Heinrich-Braun-Klinikum überwiesen hatte und Herr Marx mit plötzlich auftretendem Schmerz hinter dem Brustbein die Zentrale Notaufnahme des HBK aufsuchte. Diagnose: Dreigefäßerkrankung. Dabei handelt es sich um eine Form der koronaren Herzerkrankung mit mehreren hochgradigen Verengungen in drei Hauptästen der Koronararterien. Jens Marx wurde daraufhin zur operativen Versorgung umgehend in die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie ins Universitätsklinikum Jena verbracht. „Auch bei Herrn Marx war die zentrale Frage zu klären, ob die Behandlung mittels Stent oder Bypass erfolgen soll“, so Chefarzt Sigusch. „Da Herr Marx mit seinen 52 Jahren noch sehr fit ist und so gut wie keine Begleiterkrankungen vorgewiesen hat, haben wir uns gemeinsam mit den Jenaer Kollegen für eine Bypass-Operation entschieden. Bereits am 6. Tag nach der OP konnte er auf die Normalstation verlegt und am 11. Tag entlassen werden.

Jens Marx bezeichnet sich selbst im Nachhinein als „tickende Zeitbombe“ – denn wäre die Erkrankung noch länger unbehandelt geblieben, hätte dies zum Tod führen können. Heute, 5 Monate nach dem Eingriff, fühlt er sich sehr gut, geht seiner täglichen Arbeit als Maschinist für Wärmeanlagen weiterhin nach und ist auch sportlich wieder sehr aktiv.

Das MDR-Gesundheitsmagazin „Hauptsache Gesund“ greift die Geschichte von Jens Marx sowie die Studie zum Thema „Stent vs. Bypass“ innerhalb eines zweiteiligen Beitrages auf. Die Ausstrahlung erfolgte am 4. April ab 21.00 Uhr. Der Beitrag kann online in der MDR-Mediathek angesehen werden: HIER


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