Zwickauer Schlaganfalltag klärte umfassend über Neuerungen auf

20.06.2019

Über 100 Betroffene und Angehörige haben sich am Mittwoch, dem 19. Juni 2019, im Zwickauer Rathaus über das Thema Schlaganfall informiert. Bereits zum 9. Mal in Folge richteten das Heinrich-Braun-Klinikum und die Schlaganfall-Selbsthilfegruppen diesen Patiententag aus. Neben Informationen zu neuen Entwicklungen in der Schlaganfallversorgung, der Betreuung durch Angehörige, dem barrierefreien Wohnen sowie rechtlichen Aspekten präsentieren sich auch wieder zahlreiche Aussteller.

v. l. n. r.: Dr. med. Stefan Merkelbach, Chefarzt der Klinik für Neurologie am ...
Der Bürgersaal war wieder mit vielen interessierten Zuhörern gefüllt.
An den Informationsständen konnten sich die Besucher zum Krankheitsbild ...
Treffen kann es jeden – egal in welchem Alter, bei welcher Tätigkeit, zu welcher Uhrzeit oder an welchem Ort. Nach Zahlen der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) erlitten 2018 bundesweit über 260.000 Menschen einen Schlaganfall. Etwa jeder Dritte bleibt dauerhaft durch Lähmungen oder Sprachprobleme beeinträchtigt. Je früher ein Schlaganfall erkannt wird, desto besser sind die Chancen, Folgeschäden zu minimieren. Zur besseren Aufklärung wird jährlich der Zwickauer Schlaganfalltag ausgereichtet. Auch in diesem Jahr haben das Heinrich-Braun-Klinikum sowie die Selbsthilfegruppen „Schlaganfall“ Zwickau und „Aphasie und Schlaganfall“ Meerane/Crimmitschau mit Unterstützung von weiteren Ausstellern von 13.00 bis 17.00 Uhr zum Wissensaustausch in den Bürgersaal des Zwickauer Rathauses eingeladen.

Novum bei der 9. Auflage war die Dolmetscherin für Gebärdensprache, die die Vorträge der Referenten übersetzte. Neben Wissenswertem zu neuen Entwicklungen in der Schlaganfallversorgung wurde auf Wunsch der Selbsthilfegruppen die Rolle von Betreuungspersonen in den Fokus gerückt. „Nicht selten kommt es für pflegende Angehörige zu einer erheblichen Belastung – nicht nur in emotionaler, sondern auch in körperlicher und finanzieller Hinsicht“, hält Dr. med. Stefan Merkelbach, Chefarzt der Klinik für Neurologie des Zwickauer HBK, fest. Ein Vertreter einer Krankenkasse gab dazu hilfreiche Tipps, was bei der Betreuung von Schlaganfallpatienten zu beachten ist. Auch im häuslichen Umfeld sind Betroffene und Angehörige häufig auf Unterstützung angewiesen. An was beim Umbau von Wohnungen oder Häusern gedacht werden sollte, erläuterte ein Referent vom Sozialverband VdK Sachsen. Im Anschluss wurden die Themen Nachteilsausgleich und Teilhaberecht beleuchtet. „Oft sind Schlaganfallpatienten ihre Rechte nicht bewusst. Sie fühlen sich durch die körperlichen Einschränkungen vom Sozialleben ausgeschlossen. Wir haben aufgezeigt, welche Mittel und Wege zur Verfügung stehen, um Nachteile auszugleichen und eine Anteilnahme am sozialen Leben zu ermöglichen“, ergänzt der Neurologe.

Interview über das Krankheitsbild Schlaganfall

Das Thema Schlaganfall geht alle an: ob als Betroffener, Angehöriger, Freund oder Ersthelfer – einen Schlaganfall schnell erkennen und bei Verdacht umgehend den Rettungsdienst informieren, ist essenziell für die weitere Behandlung des Patienten. In jeder Stunde, in der ein Schlaganfall unbehandelt bleibt, sterben so viele Neuronen im Gehirn ab, wie bei normaler Alterung in rund dreieinhalb Jahren verloren gehen. Die Einleitung der Akutversorgung ist entscheidend für den Erhalt von Nervenzellen. Deshalb gilt beim Schlaganfall: ‚Time is brain‘ (‚Zeit ist Gehirn‘). Im nachfolgenden Interview mit Chefarzt Dr. med. Stefan Merkelbach wird noch einmal detailliert auf das Krankheitsbild, angefangen von der Diagnose bis hin zur Behandlung im Krankenhaus, eingegangen.

Was genau versteht man unter Schlaganfall?
Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn. Nervenzellen erhalten dadurch zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, sodass sie absterben. Es wird unterschieden zwischen ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfall. Der ischämische Schlaganfall ist die häufigste Art von Hirnschlag. Das Gehirn wird nicht mehr genug durchblutet, meist bedingt durch ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft. Beim hämorrhagischen Schlaganfall werden die Symptome aufgrund einer Hirnblutung ausgelöst.

Welche Risikofaktoren gibt es?
Das Alter und genetische Voraussetzungen können zu einem erhöhten Schlaganfall-Risiko führen. Diese Faktoren sind jedoch nicht beeinflussbar. Aktiv verringert werden können dagegen zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss, Übergewicht und Bewegungsmangel. Diese Einflussfaktoren fördern u. a. die Arterienverkalkung, was zur Ansammlung von Ablagerungen führen kann. Die Folge: Gefäße verengen sich, es können sich Blutgerinnsel bilden und Hirngefäße verschließen. Bei jüngeren Patienten finden sich noch weitere, meist entzündliche Gefäßerkrankungen. Auch Herzveränderungen, vor allem Herzrhythmusstörungen sollten unbedingt beachtet werden, denn etwa ein Drittel aller Schlaganfälle entsteht als Folge eines Gerinnsels, welches aus dem Herzen zum Gehirn gelangt.

Wie können Außenstehende einen Schlaganfall erkennen?
Mögliche Alarmzeichen können ein herabhängender Mundwinkel sein, Lähmungen von Arm und Bein einer Körperseite oder halbseitige Taubheitsempfindungen, verschwommenes Sehen, Sprachstörungen, sehr starke Kopfschmerzen oder Schwindelgefühl. Art und Intensität solcher neurologischen Störungen und Ausfälle können jedoch unterschiedlich ausgeprägt sein, je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist.

Wie reagiert man richtig bei Verdacht auf einen Schlaganfall?
Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Bei Verdacht muss sofort der Rettungsdienst über die 112 gerufen werden. Die ersten Stunden sind entscheidend, um Zellschäden im Gehirn zu minimieren. Für Patienten, die innerhalb eines Zeitfensters von 4,5 Stunden ab Beginn der Symptome eingeliefert und entsprechend untersucht werden, stehen mehr, speziellere und effektivere Möglichkeiten der Schlaganfall-Behandlung zur Verfügung. Bei speziellen Fragestellungen erweitert sich dieses Fenster auf 6 Stunden – generell gilt es aber, keine Zeit zu verlieren.

Kündigt sich ein Schlaganfall bereits im Voraus an?
Vor einem eintretenden Hirnschlag kann es bereits zu einer vorübergehenden Minderdurchblutung im Gehirn kommen. Die Symptome sind die gleichen wie bei einem Schlaganfall, jedoch verschwinden diese Anzeichen nach spätestens 24 Stunden wieder. Diese Vorstufe wird als TIA (transitorische ischämische Attacke) bezeichnet. Nach einer TIA besteht ein relevantes Risiko, einen wirklichen Schlaganfall zu erleiden. Insoweit sollte in diesem Fall nicht gezögert, und ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden, da einzelne Ursachen geklärt und beseitigt werden können.


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