Die Neurochirurgie am HBK – was wird anders, was wird neu?

10.12.2018

Mit der 12. Fortschreibung des Sächsischen Krankenhausplanes wurde dem Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikum ab dem 01.09.2018 eine Hauptabteilung Neurochirurgie zuerkannt. Doch was heißt das eigentlich? Was sich in der Behandlung von Hirntumoren und Gefäßmissbildungen ändern wird, haben wir mit Dr. med. Kristian Ebmeier, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie, im Gespräch herausgefunden.

Ganzheitlich und vollständig: Die Neurochirurgie am HBK
Dr. med. Kristian Ebmeier, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie und ...

Die Neurochirurgie ist jetzt am HBK – gab es den Fachbereich nicht schon vorher am Haus?
Ja, im Sommer 2009 kamen die ersten beiden Neurochirurgen an das HBK. Innerhalb kürzester Zeit wurde das neue Angebot von Patienten und Ärzten intensiv genutzt. Es stellte sich schnell heraus, dass die Aufgaben nur innerhalb einer „richtigen“ Klinik zu bewältigen waren. Daher wurde zum 01.01.2011 zunächst die Klinik für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie gegründet. Neben der umfassenden technischen Ausstattung, die das HBK ohne Fördermittel vom Freistaat selbst finanzierte, gelang es relativ schnell, ein sehr kompetentes Ärzteteam zusammenzustellen. Alle Kollegen stammen aus der Universitätsmedizin oder aus Krankenhäusern der Maximalversorgung.

Warum wurde mit dem neuen Sächsischen Krankenhausplan vom 01.09.2018 die Neurochirurgie als Hauptabteilung dem HBK zuerkannt?
Das HBK hat bereits 2011 und 2013 einen Antrag auf Aufnahme in den Krankenhausplan gestellt. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass der beste Platz für die Neurochirurgie in Zwickau das HBK ist – nicht zuletzt wegen entscheidender Einrichtungen wie dem überregionalen Traumazentrum, der Kinderklinik, der Strahlentherapie und der Neuroradiologie. Das Sozialministerium war damals anderer Meinung, hat seine Auffassung jedoch 2017 deutlich revidiert. Mit der Aufnahme in den Krankenhausplan zum 01.09.2018 haben wir Planungssicherheit und konnten 5 weitere Kollegen einstellen. Neben der Umbenennung in Klinik für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie erfolgen nun umfassende Investitionen in die Ausstattung. Bisher konnten wir schon auf höchstem Niveau arbeiten, aber nicht alles zu jeder Zeit und parallel versorgen. Jetzt werden die Voraussetzungen geschaffen, dass jederzeit jedes Krankheitsbild behandelt werden kann.

Welche Vorteile ergeben sich für Patienten und für die Region mit dieser Entscheidung?
Moderne Medizin bedeutet effektive Teamarbeit über die Grenzen des Fachgebietes und die Person eines einzelnen Arztes hinaus. Es geht darum, im täglichen Austausch und in Fallkonferenzen mit Neurologen, Neuroradiologen, Strahlentherapeuten und den Kollegen der Tumorklinik die optimale Therapie für jeden Patienten zu planen und störungsfrei zu organisieren. Dies betrifft insbesondere Patienten mit Hirntumorerkrankungen und mit Gefäßmissbildungen des Gehirns und des Rückenmarks. Dafür ist das HBK als einziges Krankenhaus in Südwestsachsen perfekt aufgestellt. Das Krankenhaus bietet mit dem Rettungshubschrauber, der ab 1. Januar 2019 vom ADAC betrieben wird, die ideale Ausgangsbasis und das am besten geeignete Zielkrankenhaus für Schwerstkranke und Schwerstverletzte. Daraus ergeben sich kürzere Rettungszeiten und eine höhere Einsatzbereitschaft als früher, wo Patienten bis in 100 km weit entfernte Kliniken geflogen werden mussten.

Wie ist die Klinik für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie aufgestellt und welche Behandlungen können durchgeführt werden?
Es können alle neurochirurgischen Erkrankungen am HBK behandelt werden, insbesondere also Tumoren und Gefäßmissbildungen des Gehirns und des Rückenmarks wie auch schwere Verletzungen und Fehlbildungen. Das gilt im gleichen Maß ebenso für die Wirbelsäule. Wir werden jedoch neue Schwerpunkte setzen, die den Patienten bisher nicht zu Verfügung standen. Dies betrifft die exakte Untersuchung der speziellen Gehirnfunktion vor und während einer Operation, was eine millimetergenaue Planung und Ausführung des Eingriffes ermöglicht. Niemand in der Region hat diese Methoden bislang angeboten. Das werden wir ändern. Der andere Punkt ist die Behandlung der Parkinson’schen Erkrankung. Zwei unserer Oberärzte bringen diese Kompetenz von ihren früheren Universitätskliniken mit. Natürlich stärken wir auch die vorhandenen Schwerpunkte. Es ist leider nicht so richtig bekannt, dass wir auch komplexe Fehlstellungen der Wirbelsäule bei Jugendlichen und Erwachsenen behandeln und Korrektureingriffe nach vorausgegangenen Operationen vornehmen. Das gleiche gilt für das Rheuma der Halswirbelsäule und des Kopf-Hals-Überganges.

Gibt es eine Möglichkeit für Patienten oder Interessierte, sich über das Profil der Klinik sowie die Neuerungen zu informieren?
Am 2. Januar 2019 wird sich unsere neu aufgestellte Klinik im Rahmen der einmal im Monat stattfindenden  Medizinischen Fachvorträge der Öffentlichkeit  vorstellen. Interessierte Besucher sind herzlich eingeladen, dem Vortrag, der um 17.00 Uhr im Veranstaltungsraum im Haus 6 beginnt, zu folgen. Fragen zu stellen und mit den Ärzten der Klinik zu sprechen. Wir haben auf der Internetseite des HBK Informationen zu den Veränderungen hinterlegt und es gibt einen Flyer, in dem die neue Situation und ein Ausblick auf die Zukunft dargestellt werden. Dieser liegt in vielen zentralen Bereichen im Klinikum aus.


Ansprechpartner