Fachbereich Kinderanästhesie und Kinderintensivmedizin

Für Kinder aber auch für Eltern stellen Krankenhausaufenthalte eine besondere Herausforderung dar. Dies gilt besonders für Kinder unter 3 Jahren. Dieser ungewohnten Situation will das Team, besonders durch die Betreuung kleiner Patienten mittels spezialisierter Pflegekräfte und Anästhesisten, begegnen, um mitzuhelfen, dass Kinder die Klinik verlassen, ohne Angst und Schmerzen erlebt zu haben. Die Fachärzte des Fachbereichs „Kinderanästhesie“ verfügen über langjährige Erfahrung in der Betreuung kleiner Patienten und arbeiten im „Wissenschaftlichen Arbeitskreis Kinderanästhesie“ der Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin mit.

Für die Versorgung unserer kleinen Patienten werden alle modernen Anästhesieverfahren der Voll- und Regionalanästhesie genutzt. Dabei setzt unser Team die „10 N der Qualitätskinderanästhesie“ um:

1) „No fear“ – Keine Angst oder intraoperative Wachheit – individuelle Betreuung und Fürsorge einschließlich der Anwesenheit der Eltern im Aufwachraum

2) Normovolämie – Erhalt des normalen Flüssigkeitshaushalts in der perioperativen Phase durch Trinken klarer Flüssigkeit bis 2 Stunden vor und frühzeitig nach dem Eingriff

3) Normotension  – Einhalten des normalen Blutdruckbereichs durch angepasste Narkoseführung und Flüssigkeitstherapie

4) Normale Herzfrequenz

5) Normoxämie – Vermeidung von Hypo-/ Hyperoxämie durch engmaschige Überwachung und angepasste Beatmungstherapie

6) Normokapnie – Vermeidung von Hypo-/ Hypernatriämie

7) Normonatriämie – Vermeidung von Hypo-/ Hyperkapnie durch engmaschige Überwachung und angepasste Beatmungstherapie

8) Normoglykämie – Vermeidung von Über-/ Unterzuckerung durch Vermeidung unnötiger Nüchternzeiten und engmaschige intraoperative Überwachung

9) Normothermie – Erhalt der normalen Körpertemperatur durch Einsatz von Wärmemanagementsystemen und kindgerecht vorbereiteten Operationssälen

10) No Postoperative Discomfort – Keine Schmerzen, keine Übelkeit, kein Aufwachstress durch angepasste Narkoseführung, frühzeitige medikamentöse Therapie der postoperativen Übelkeit, kindgerechte Schmerztherapie durch die Kombination medikamentöser und regionalanästhesiologischer Therapiekonzepte.

In Zusammenarbeit mit Kollegen der Pädiatrie und Neonatologie werden kleine Patienten aller Altersgruppen in allen operativen und konservativen Bereichen des Heinrich-Braun-Klinikums betreut. Dabei erstreckt sich das Versorgungspektrum von radiologischen Untersuchungen in Sedierung über endoskopische Untersuchungen (Magen-, Darmspiegelung), Hals-Nasen-Ohren- und Mund-Kiefer-Gesichts-Eingriffen (OP Rachen-/ Gaumenmandel, Versorgung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten) bis zu klassischen Eingriffen der Kinderchirurgie und -unfallchirurgie, einschließlich der Fehlbildungschirurgie in Säuglingsalter. Ein großer Teil dieser Eingriffe kann ambulant durchgeführt werden.

Anders  als bei erwachsenen Patienten ist das Haupteinsatzgebiet der Regionalanästhesie die postoperative Schmerztherapie. In der Regel erfolgt die Betäubung peripherer Nerven noch während der eigentlichen Narkose unter Ultraschallkontrolle. Eine besondere Form der Regionalanästhesie ist die sogenannte Kaudalanästhesie, die für Kinder bis zum 6. Lebensjahr eine optimale Form der Schmerztherapie nach Operationen der unteren Körperhälfte darstellt. Für Früh- und Neugeborene wird das Verfahren durch unser Team als „Wachkaudalanästhesie“ eingesetzt, um bei diesen oft sehr kleinen Patienten mit noch unreifem Atemzentrum eine Vollnarkose und maschinelle Beatmung zu vermeiden.

Kinder nach großen Operationen, schweren Unfällen oder mit schweren Erkrankungen werden durch ein interdisziplinäres Team aus Kinderärzten, Kinderchirurgen und Kinderanästhesisten betreut. Dies erfolgt sowohl im Fachbereich Neonatologie/ Intensivmedizin der Kinderklinik oder auf der Intensivstation der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Die Behandlungsteams beider Bereiche streben eine frühzeitige Einbeziehung der Eltern unserer Patienten in die Behandlung bis hin zu „Rooming-in Konzepten“ an.