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Blog des Heinrich-Braun-Klinikums

Organspende – warum sich jeder damit beschäftigen sollte

05.06.2021

Schon 2020 wollte das HBK zum Tag der Organspende einen Fachvortrag für die Öffentlichkeit gestalten. Wegen der Corona-Pandemie konnte dieser nicht stattfinden und auch in diesem Jahr ist es leider nicht möglich. Um dennoch auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen, informieren wir in dem nachfolgenden Beitrag über wissenswerte Aspekte.

Schon eine Entscheidung getroffen? Egal, wo das Kreuz auf dem Organspendeausweis gesetzt wird - mit der eigenen Entscheidung nimmt man seinen Angehörigen im Falle eines Falles eine große Last von den Schultern.
Schon eine Entscheidung getroffen? Egal, wo das Kreuz auf dem Organspendeausweis gesetzt wird - mit der eigenen Entscheidung nimmt man seinen Angehörigen im Falle eines Falles eine große Last von den Schultern.
v.l.n.r. Die Tranplantationsbeauftragten des HBK: Leitende OÄ Dr. med. Katrin Zielmann, Pfleger Ralf Brückner, Schwester Edda Oswald, Leitender OA Michael Rudolph, Dr. med. Mandy Olbrecht (nicht im Bild)
v.l.n.r. Die Tranplantationsbeauftragten des HBK: Leitende OÄ Dr. med. Katrin Zielmann, Pfleger Ralf Brückner, Schwester Edda Oswald, Leitender OA Michael Rudolph, Dr. med. Mandy Olbrecht (nicht im Bild)

In diesem Jahr findet der Tag der Organspende unter dem Hashtag #EntscheideDich statt. Warum unterstützen auch wir diese Kampagne? Wir möchten auf das relevante Thema der Organspende aufmerksam machen und auch an die Menschen erinnern, die mit ihrer Organspende das Leben Anderer retten konnten.

Wir behandeln im Jahr ca. 3.000 Patienten auf den HBK-Intensivstationen. Wir sind mit schwerstkranken Menschen konfrontiert – vielen können wir helfen, manchen Patienten leider nicht. Diese Patienten sind Menschen mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern, Menschen, die einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder einen Verkehrsunfall erlitten haben, Menschen, die sich großen Operationen unterzogen haben und sich wieder erholen müssen. Menschen mit schweren Infektionen oder schweren neurologischen Störungen, dazu zählen beispielsweise Hirnblutungen oder Hirnschädigungen durch Sauerstoffmangel. Erleidet ein Mensch eine schwere Hirnschädigung, bedeutet dies nicht gleich, dass dieser Mensch hirntot ist. Wir werden im Jahr nur bei ca. 2-6 Patienten mit der Tatsache konfrontiert, dass eine Hirntoddiagnostik durchgeführt werden muss. Die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalles, so wird die Feststellung des Hirntodes in der Fachsprache bezeichnet, erfordert protokollierte ärztliche  Untersuchungen, die meist mit einer apparativen Untersuchung abgeschlossen werden müssen. Nur bei zweifelsfreier Feststellung des vollständigen Ausfalls der Hirnfunktionen kann eine Organentnahme erfolgen. Der Hirntod ist dabei gleichbedeutend mit dem Individualtod.

Oft sind es Schicksale, die auch uns Ärzte und Pflegende unvorbereitet und hart treffen und wir fühlen mit den Angehörigen. In diesen schwierigen Situationen erleben wir leider oft, dass sich Patienten und Angehörige bisher überhaupt keine Gedanken zum Thema Organspende gemacht haben und Angehörige nun völlig unvorbereitet auf die Frage antworten müssen, ob unser Patient bei nun festgestelltem Hirnfunktionsausfall einverstanden gewesen wäre, mit einer Organspende anderes Leben zu retten. In den wenigsten Fällen besitzen unsere Mitmenschen und Patienten einen ausgefüllten Organspende-Ausweis oder haben sich mit dem Thema schon einmal auseinandergesetzt. Dabei schafft eine selbstbestimmte Festlegung zum Thema Organspende Klarheit und nimmt engen Angehörigen die große Last einer Entscheidung von den Schultern.

Die Anzahl der nach dem Tod gespendeten Organe in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen. Im Jahr 2010 gab es noch 1.296 Organspender, 2017 nur noch 797. In den vergangenen drei Jahren lag die Anzahl der Organspender knapp über 900. Pro Organspender können statistisch gesehen ca. 3,2 Organe entnommen werden, mit denen anderen Menschen geholfen werden kann. Das bedeutet, dass 2.941 Organe aus 913 Spenden gespendet wurden (2020). Dem gegenüber warten aber ca. 9.500 Menschen auf einer Warteliste auf eine lebensrettende oder lebensverbessernde Organspende, pro Tag versterben ungefähr drei dieser Menschen. Durch die geringe Spendebereitschaft ist natürlich auch die Wartezeit in Deutschland mit 8–10 Jahren im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wesentlich länger. In Spanien warten Menschen 12–18 Monate, in Österreich 24–30 Monate auf ein Spenderorgan.

Seit 2019 rückte das Thema Organspende zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Eine Novellierung des Transplantationsgesetzes sollte die Rahmenbedingungen für die Arbeit insbesondere der Transplantationsbeauftragten verbessern. Ein größeres Augenmerk wird nun auch auf die Betreuung der Angehörigen gelegt. Damit verbunden ist natürlich auch die Wertschätzung des Organspenders. Im Januar 2020  wurde parlamentarisch darüber abgestimmt, ob es in Deutschland eine Widerspruchlösung geben solle. Widerspruchslösung bedeutet in diesem Zusammenhang: Jeder ist potentieller Organspender, sofern er nicht zu Lebzeiten einer Organspende widersprochen hat und sofern den Angehörigen solch ein Widerspruch nicht bekannt ist. Diese Lösung wurde jedoch abgelehnt und eine erweitere Zustimmungslösung beschlossen. Ein besonderer Fokus soll nun auf die Aufklärung der Bevölkerung gelegt werden. Nach wie vor muss der Patient oder seine Angehörigen die Einwilligung zur Organspende geben.

Der Prozess der Organspende im Überblick
Besteht im Falle des nachgewiesenen irreversiblen Ausfalls der Gesamthirnfunktion die Bereitschaft zur Organspende, ist ein hoher organisatorischer und personeller Aufwand erforderlich, um diesen Prozess zu realisieren. Die Intensivtherapie muss fortgeführt werden, um bestmögliche Voraussetzungen für die Transplantation zu schaffen. Des Weiteren werden erforderliche Untersuchungen eingeleitet. Zeitgleich wird Kontakt zu den Mitarbeitern der Deutschen Stiftung für Organtransplantation aufgenommen und mit ihnen das weitere Vorgehen besprochen.

Die Organe werden über Eurotransplant mit Sitz im niederländischen Leiden vermittelt, was meist mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Über die endgültige Organentnahme entscheidet letztlich das Entnahmeteam, das aus unterschiedlichen Zentren anreist. Für diesen Prozess rund um eine Organentnahme ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Pflegepersonal, Ärzten, dem OP-Team und den betreffenden Organisationen notwendig. Die Transplantationsbeauftragten unseres Krankenhauses sind eng in diesen Prozess eingebunden. Wir hatten das Glück, auch zwei pflegerische Mitarbeiter für unser Team gewinnen zu können. Die Transplantation selbst findet dann in der Transplantationsklinik statt, in welche das Organ vermittelt wurde.

Eine Organspende kann bis zu 7 Leben retten
Herz- und Lungenkranke sind oftmals so in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, dass sie kaum das Krankenbett verlassen können. Eine erfolgreiche Transplantation hat hier eine enorme Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zur Folge. Bei bestimmten Vergiftungen mit Leberversagen kann nur eine Transplantation das Leben retten. Ein Nierentransplantierter ist glücklich, wieder uneingeschränkt trinken zu dürfen und die  Bewegungsfreiheit ohne Dialyse genießen zu können.
 
Bitte beschäftigen Sie sich mit diesem Thema und nehmen Sie Ihren Angehörigen die Entscheidung ab. Sie können jederzeit Ihre Meinung ändern und auch ein hohes Alter ist kein Hinderungsgrund für eine Organspende.


OÄ Dr. med. Katrin Zielmann
Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie
Leiterin ABS-Team