Fachbereich Anästhesie

Der Begriff Anästhesie stammt aus dem Griechischen und bedeutet ‚Empfindungslosigkeit’. Alternativ wird der Begriff "Narkose" verwendet, was soviel bedeutet wie ‚in den Schlaf versetzen’.

Das Fachgebiet der Anästhesie umfasst jedoch weit mehr als nur Schlafinduktion. Zu den Aufgaben des Anästhesieteams im Operationssaal gehören die Vorbereitung und Betreuung der Patienten, die Überwachung und Sicherstellung der Vitalfunktionen (Herzfrequenz, Atmung, Sauerstoffsättigung) sowie nach der Operation die Betreuung und Schmerztherapie im Aufwachraum. Der Fachbereich Anästhesie betreut täglich 16 Narkosearbeitsplätze im Zentral-OP und neun externe Arbeitsplätze in der Zentrale Notaufnahme, dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie und den Kliniken für  Augenheilkunde und Ophthalmochirurgie, Innere Medizin I (Kardiologie, Angiologie, Internistische Intensivmedizin), Innere Medizin IV (Gastroenterologie, Hepatologie und Allgemeine Innere Medizin) und Strahlentherapie und Radioonkologie. Dabei werden sämtliche und heute etablierte Narkoseverfahren eingesetzt. Postoperativ werden unsere Patienten in zwei Aufwachräumen mit 19 stationären und neun ambulanten Überwachungsplätzen betreut.

Pro Jahr werden am Heinrich-Braun-Klinikum ca. 17.700 Anästhesien durchgeführt. Dabei erstreckt sich das Spektrum von Analgosedierungen und Maskennarkosen über intravenöse und balancierte Anästhesietechniken bis hin zu rückenmarknahen sowie peripheren Regionalanästhesien oder der Kombination verschiedener Verfahren. Ein besonderer Stellwert kommt dabei der ultraschallgestützten Regionalanästhesie als Mittel der operativen Schmerzausschaltung und postoperativen Schmerztherapie zu. Alle Arbeitsplätze sind mit modernsten Anästhesie- und Überwachungseinheiten ausgestattet.

Allgemeinanästhesie

Zahlreiche der am Heinrich-Braun-Klinikum durchgeführten Eingriffe sind nur durch die Zusammenarbeit von Operateuren und Anästhesisten möglich, da diese Eingriffe eine Schmerz- und oft auch Bewusstseinsausschaltung erfordern. Im Rahmen einer Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) wird dieser Zustand durch die Kombination verschiedener Medikamente – ein sehr starkes Schmerzmittel, ein schlafinduzierendes Hypnotikum und ein Medikament zur Muskelerschlaffung (Muskelrelaxans) – erreicht. Diese drei Medikamente werden durch einen kleinen, in einer Vene liegenden Schlauch verabreicht und wirken innerhalb weniger Sekunden. Die Aufrechterhaltung des Narkoseschlafes während der Operation kann über intravenös oder inhalativ verabreichte Medikamente sichergestellt werden. Da diese Medikamente auch den natürlichen Atemantrieb unterdrücken, wird während der Narkose, im Tiefschlaf ein kleiner Beatmungsschlauch in die Luftröhre gelegt und die Atmung zeitweilig mechanisch unterstützt. Am Ende der Operation werden die Narkosemedikamente schrittweise reduziert und so der Aufwachprozess eingeleitet. Zu diesem Zeitpunkt ist der Beatmungsschlauch bereits entfernt.

Obwohl moderne Anästhesiemedikamente und -verfahren eine sehr hohe Sicherheit bieten, können vereinzelt Störungen des Wohlbefinden auftreten. Typische Beispiele dafür sind Übelkeit und Erbrechen, Venenreizungen, kurzfristige Heiserkeit, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, Blutergüsse im Bereich der Einstichstellen von Kathetern und Kanülen sowie in seltenen Fällen Zahnschäden durch das Einführen des Beatmungsschlauches.

Regionalanästhesie

Eine Alternative zur Vollnarkose stellt die Regionalanästhesie dar. Dabei werden gezielt nur die zu operierenden Körperregionen betäubt. Haupteinsatzgebiete dieser Verfahren finden sich in der Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie. Häufig werden in der Allgemein- und Thoraxchirurgie Verfahren der Allgemein- und Regionalanästhesie kombiniert, um so eine bessere postoperative Schmerztherapie und eine frühere Mobilisation des Patienten zu erreichen.
Vorteile der Regionalanästhesie sind eine geringere Herz-Kreislauf-Belastung, eine langanhaltende postoperative Schmerzstillung und das Fehlen typischer Nebenwirkungen von Vollnarkosen. Um eine sehr gute Wirkung der Regionalanästhesie und eine sichere Applikation der Medikamente zu erreichen, werden diese Verfahren in der Regel unter Ultraschallkontrolle durchgeführt.
Typische Einsatzgebiete sind:
  • Eingriffe an Schulter, Ober- und Unterarm sowie der Hand
  • Eingriffe an Hüfte, Bein und Fuß
  • Katheterverfahren im Rahmen großer thorax- oder bauchchirurgischer oder gynäkologischer Eingriffe.
Welche dieser Verfahren in Einzelfall eingesetzt und kombiniert werden, wird gemeinsam in der Prämedikationsambulanz besprochen.

Der normale Ablauf einer Anästhesie zu geplanten Eingriffen

Nachdem die Entscheidung zu einer Operation getroffen wurde, werden Sie meist am Vortag der Operation in der Prämedikationsambulanz unserer Klinik vorgestellt. In diesem Gespräch wollen wir Sie kennenlernen und gemeinsam anhand vorliegender Befunde, bestehender Vorerkrankungen und persönlicher Wünsche das für Sie geeignete Anästhesieverfahren auswählen.

Am Tag der Operation dürfen Sie in Abstimmung mit den Operateuren bis ca. sechs Stunden vor der Operation noch essen und bis zwei Stunden vor der Operation klare Flüssigkeit (Tee, Wasser, Saft, Kaffee mit wenig Milch) trinken. Welche Medikamente Sie am Operationstag einnehmen müssen, wird während des Gespräches in der Prämedikationsambulanz besprochen. Wenn Sie in den Operationssaal gebracht werden, lassen Sie bitte alle persönlichen Gegenstände auf Station. Ausnahmen sind Hörgeräte, ohne die keine Verständigung möglich ist, Asthmaspray und eigene CPAP/ Heimbeatmungsgeräte. Meist erhalten Sie zu diesem Zeitpunkt auch ein beruhigendes Medikament, das Anspannung und Angst vor der Operation nehmen soll.

Während der gesamten Zeit im OP werden Ihre Vitalfunktionen durch das Anästhesieteam überwacht, um so eine höchstmögliche Sicherheit zu bieten. Nach der Operation werden Sie im Aufwachraum unserer Klinik langsam wach. Diese postoperative Überwachung ermöglicht – mit einer Schmerztherapie beginnen – typische Narkosenebenwirkungen behandeln zu können. Nachdem Sie wieder vollständig wach sind, erste Schlucke getrunken haben und sich wohlfühlen, werden Sie auf die Bettenstation zurück gebracht.